10 Gründe, warum MotoGP der tollste Motorsport ist!
Am 17. August 2025 findet auf dem Red Bull-Ring in der Steiermark der Grand Prix von Österreich statt. Nicht als Autorennen, sondern auf Motorrädern. Im Vorjahr habe ich für das Magazin The Red Bulletin
https://www.redbull.com/at-de/theredbulletin/peter-filzmaier-kolumne-motogp
einen Text über die MotoGP geschrieben, und im Red Bull-Podcast Sport am Wort mit Servus TV-Journalistin Alina Marzi über die Faszination von Motorradrennen gesprochen.
Alina hat dabei als Auskennerin die Rückkehr von Marc Marquez als Seriensieger exakt vorhergesagt! Meine These jedoch war, dass die MotoGP als Motorsport mit Abstand am spannendsten ist. Auch im Vergleich zur Formel 1. Die Schlüsselfrage ist, ob meine Behauptung vor einem Jahr heute noch genauso gut zu argumentieren ist.
- In der Formel 1 siegten 2023 ohne Sprintrennen bloß drei Fahrer und Max Verstappen triumphierte mit seinem Red Bull in über 80 Prozent der Fälle. Im selben Jahr gewannen neben Weltmeister Francesco Bagnaia – in dieser Reihenfolge – genauso Marco Bezzecchi, Alex Rins, Jorge Martin, Aleix Espargaró, Johann Zarco, Enea Bastianini und Fabio Di Giannantonio. Ist eine MotoGP-Saison mit acht Siegern nicht objektiv viel spannender?
- Das Bild hat sich zugegeben 2025 gewandelt. Aber nur ein kleines bisschen. In bisher 14 Rennen der Formel 1 – Sprints wiederum nicht gezählt – gewannen vier Fahrer. Doch elfmal und somit in 78 Prozent der Fälle war ein McLaren vorne. Das sind gleichermaßen rund vier Fünftel aller Siege wie für Verstappen vor zwei Jahren.
- Das Spannungsmoment der Weltmeisterschaft und fast jeden Formel 1-Rennens beschränkt sich auf die Frage „Lando Norris oder Oscar Piastri?“ Zwei Siege Verstappens und ein Erfolg von George Russell im Mercedes fallen kaum ins Gewicht. Keiner von beiden hat eine realistische Chance Weltmeister zu werden.
- Der entscheidende Unterschied zu 2023 ist nur, dass auch in der MotoGP Superstar Marc Marquez gefühlt fast alles gewinnt. Bisher waren es heuer acht von zwölf Großen Preisen. Davon die letzten fünf Rennen in Serie. Weil sich die Restzahl der Siege auf vier Fahrer – seinen Bruder Alex, Bagnaia, Bezzecchi und Zarco – aufteilt, ist die MotoGP kein Nagelbeißer vulgo „Nailbiter“. Man weiß, wer Champion wird.
- Trotzdem bliebe ich dabei, dass das Fahrerfeld und die Bikes in der MotoGP kompetitiver sind als in der Formel 1. Neben den oben genannten Fahrern bräuchte Ex-Weltmeister Fabio Quartararo bloß ein besseres Bike unter dem werten Gesäß, um zu gewinnen. Brad Binder, Jack Miller, Juan Mir und Maverick Vinales waren bereits Rennsieger. Das Megatalent Pedro Acosta ist auf dem Weg nach oben. Das macht rund 15(!) potentielle Siegfahrer.
- Das Gegenargument der technischen Höherwertigkeit der Formel 1 lasse ich nur bedingt gelten. Natürlich ist jedes Auto da ein sensationelles Wunderwerk der Technik. Die Maschinen der Moto GP sind klarerweise ebenfalls Hi Tech-Produkte, doch vergleichsweise weniger kompliziert. Nur Hand auf’s Herz: Wie viele von uns Fans können das in technischer Hinsicht ausreichend beurteilen?
- Der Sound eines Motorrades ist um nichts weniger „geil“ als derjenige eines Autos. Wer aber wie gut fährt, das ist für uns halbwissende Fans in der Formel 1 von außen viel schwieriger zu beurteilen. Man ahnt mehr, wie großartig Autos an die Grenzen der Leitplanken herangeführt werden, als man es weiß. Die Schräglagen in einem Motorradrennen hingegen sind fantastisch, das merkt jeder Zuseher sofort.
- Vergleichen wir zudem einfach, wie viele Positionswechsel es in einem Motorrad- und Autorennen gibt? Selbst eingefleischte Fans der Formel 1 müssen zugeben, dass es leider Rennen gibt, welche eine Prozession ohne Überholmanöver darstellen. Aufgrund des Reifenmanagements wird dabei etwa in Monte Carlo nicht mal im höchstmöglichen Tempo gefahren. In einem Rennen der MotoGP-Klasse gibt es locker 20 bis 30, oder sogar mal 50 Überholmanöver, in der Moto2 und Moto3 noch viel mehr.
- In Mugello 2016 trennten in der MotoGP den ersten vom Zweiten ganze 0,087 Sekunden – in allen drei Klassen zusammengerechnet! Beim Moto3-Rennen überquerten damals gar fünf Fahrer innerhalb von 0,077 Sekunden die Ziellinie überquerten. Das ist der Grund, warum ich nie auf die Idee kommen würde, ein MotoGP-Rennen als „im Kreis fahren“ zu empfinden. Sondern es ist toll anzusehen.
- Marc Marquez ist einfach einmalig. Ich bin alt genug um mich zu erinnern, dass er mit 17 Jahren schon Weltmeister in der 125cm³ Klasse wurde. 2012 war er mit 19 Moto2-Weltmeister, und mit 20 Jahren und 266 Tagen Lebensalter im Jahr darauf der jüngste Weltmeister in der Königsklasse MotoGP – früher 500cm³ – seit deren Bestand 1949. Stand 10. August 2025 hält Marquez bei 96 Grand-Prix-Siegen sowie 101 Pole-Position. Zusammen mit Mike Hailwood, Phil Read und Valentino Rossi ist er einer von vier Fahrern, der sowohl in drei verschiedenen Klassen (125 cm³/Moto3, 250 cm³/Moto2, 500 cm³/MotoGP) Gesamtsiege erringen als auch in der Königsklasse mindestens 100 Podestplatzierungen erzielten.
Den angesprochenen Red Bull-Podcast über die MotoGP mit Alina Marzi und mir gibt es übrigens hier zum Nachhören: