Der drittplatzierte Österreicher

Der drittplatzierte Österreicher

Die Britin Paula Radcliffe war Weltrekordlerin im Marathon. 16 Jahre lang. In ihren besten Zeit konnte sie als Frau oft schneller rennen als alle Männer der jeweiligen Jahresbestenliste in Österreich. Am selben Tag eines der Marathonsiege von Radcliffe fand auf der Wiener Ringstraße ein Halbmarathon statt. Die beiden Erstplatzierten aus Kenia und der Ukraine hätte Radcliffe mit ihrer Durchgangszeit beim Londoner Marathon – sie gewann in 2:15:25, hatte also nach 21 Kilometern eine Durchgangszeit von 1:07 – bei Hälfte der Strecke geschlagen.

Der damals am Wiener Ring drittplatzierte Österreicher hätte im Halbmarathon nicht mehr als allerhöchstens zwei Kilometer lang Radcliffes Marathontempo halten können. Ein dritter Kilometer wäre sich nie im Leben ausgegangen. Auch nicht, wenn er nach danach keinen Schritt mehr gelaufen wäre. Geschweige denn 18 weitere Kilometer.

Beide Ergebnisse – der große internationale Marathon in London und die Top 3 des vergleichsweise kleinen Laufes in Wien – standen jedoch einst auf denselben Seiten des ORF und der heimischen Zeitungen. Da wurden Radcliffe und dieser drittplatzierte Österreicher sozusagen in einem Atemzug genannt. Was der größte Erfolg des österreichischen Läufers war.

Warum das wichtig ist? Dieser Österreicher war ich 😉

Es war bei weitem nicht der Tag meiner Bestzeit, doch die damaligen Medienberichte hätte ich mir gerne eingerahmt. Ich gehörte zu jenen Fanatikern, die ziemlich viel trainierten – in harten Trainingswochen über 100 Kilometer und dementsprechend viele Stunden -, um sich an sensationell guten Tagen um einen der Stockerlplätze beispielsweise beim Stammersdorfer Winzerlauf oder im Wiener Sommerlaufcup zu raufen.

Beide Läufe habe ich 2013 als Mitvierziger gewonnen, doch da war auch viel Glück dabei. An diesem einen Tag des zeitgleichen Laufens mit Paula Radcliffe aber wusste ich, warum ich Läufer bin …