Der Geschlechterunterschied. Carola und Peter

Der Geschlechterunterschied. Carola und Peter

Carola

  1. Frauen sind unsicher. Bin ich gut und schnell genug? Was ist, wenn einer blöd schaut? Statt draufloszulaufen, denken Frauen an Gründe, es doch nicht zu wagen. Schuld daran haben die Männer. Wenn dumme Bemerkungen kommen, sind diese fast immer typisch männlich.
  2. Frauen sind viel mit Erwartungen an sie beschäftigt. Entweder sie versuchen den Klischees zu entsprechen: Eine Frau muss sanft sein, trägt rosa Laufkleidung und ist keine Wettkämpferin. Oder wir wollen alle Klischees widerlegen, um es den Männern zu zeigen: Frauen sind stärker, lassen sich nicht unterkriegen, trainieren besonders hart. Auf Dauer ist das anstrengend.
  3. Frauen sind mit hundert anderen Dingen beschäftigt, nicht zuletzt dem „mental load“. Denn wer organisiert den Alltag der Familie bis ins Detail? Da bleibt wenig Energie für den eigenen Laufsport. Es wäre an der Zeit, das zu ändern, und dazu müssen vor allem die Frauen initiativ werden.
  4. Frauen sind nicht ganz ehrlich. An der Startlinie heißt es: „Wir möchten doch nur Spaß haben!“ Auf der Strecke wird aber gekämpft, bis die Blutzellen aus den Bronchien in den Mund geraten. Beides ist in Ordnung. Warum geben Frauen ihren Ehrgeiz so ungern zu?
  5. Frauen sind gerne mal unter sich. Trotz eines steigenden Frauenanteils bei Volksläufen tut es gut, dass es Veranstaltungen ausschließlich für Frauen gibt. Wenn Männer als Kleiderbeutel-Träger in der Nebenrolle sind, fällt eine Menge Stress weg.

Peter

  1. Männer sind Klugscheißer. Auch beim Laufen. Einen Coach oder von Experten geschriebenen Trainingsplan haben sie höchstens, weil das cool klingt. Fremde Ratschläge wirklich befolgen, das wäre unmännlich. Weil ein richtiger Mann sich sofort für den besseren Auskenner hält.
  2. Männer sind laufende Welterklärer. Sie belehren Frauen großspurig, wie man richtig trainiert und läuft. Sogar wenn man(n) selbst gerade erst ein halbes Mal zugehört, und dreimal das Ziel des Volkslaufes von Kickritzpotschen erreichte. Doch ein Mit-Glied der Laufgemeinschaft aus Bieringen kennt sich halt aus!
  3. Männer sind egoistisch. Sie gehen morgens, abends oder tagsüber laufen, wann immer es ihnen in den Kram passt. Sollen doch die Frauen nach Verkündung des maskulinen Trainingsplans schauen, wie sie alles von Kinder bis Einkaufen plus Beruf unter einen Hut bringen.
  4. Männer sind echte Kerle. Also trainieren wir zu viel, zu schnell und zu intensiv. Also falsch. Aber unspektakuläre Dinge von Dehnen über Regeneration bis Yoga sind ja etwas für Weicheier.
  5. Männer sind „Meiner ist länger!“ Irgendwie müssen wir ständig zeigen, was für tolle Läufer wir sind. Daher wird entweder jedes Gruppentraining zum Wettkampf. Oder es ist männlich, dabei demonstrativ locker zu plaudern, wie ein gelangweilter Gockel zu stolzieren, und alle Kurven außen zu laufen – um zu zeigen, was man in Wahrheit draufhätte.

 

Carola war 2024 österreichische Staatsmeisterin im Marathon, und hat eine Bestzeit von 2:46 Stunden, weil sie Training und Wettkämpfe vernünftig plant.

Peter war Hobbyläufer mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 1:12 Stunden, und ist mangels Trainings- und Rennintelligenz im Marathon kläglich gescheitert.