History in the Making in London
Es wurde Geschichte geschrieben. Ich war live dabei. An der Strecke stehend und auf meinen Seiten bei BlueSky, Facebook und Instagram in Echtzeit berichtend. An diesem Tag.
Diesem einen Tag im April. Am Sonntag, den 26., als der Kenianer Sabastian Sawe als erster Mensch einen Marathon mit seiner Länge von 42,195 Kilometer unter zwei Stunden lief.
Als Yomif Kejelcha aus Äthiopien als Debütant ebenfalls unter der magischen 2:00 Stunden-Marke blieb, und trotzdem nicht gewann. Weil Sawe elf Sekunden schneller war.
Der Ugander Jacob Kiplimo unterbot ebenfalls den alten Weltrekord. Eine sensationelle Leistung, mit der er nur Dritter wurde.

Der Ticker
Zur Nachlese mein Marathon-Live-Ticker vom Fabel-Weltrekord in 1:59:30-Stunden 🏃🏿🎉 …
1. Hinter den Frauen folgt eine später gestartete und meschugge 😉 Männertruppe mit Sawe, Kiplimo und Kejelcha, die sich auf 2:00 Stunden-Kurs befinden.
2. Die Durchgangszeit der Männer zur Hälfte im London-Marathon ist 1:00:29. Das ist exakt die von Sawe und Kiplimo geplante Durchgangszeit, doch es sind noch sechs(!) Läufer! Amos Kipruto aus Kenia, Olympiasieger Tola und sein Landsmann Geleta jeweils aus Äthiopien laufen das irre Tempo mit.
3. Mal zwei gerechnet würde es mit knapp unter 2:01-Stunden einen Streckenrekord geben. Das gilt auch bei Kilometer 25 und einer Zeit von 1:11:41 Stunden. Ich aber stehe exakt bei Kilometer 30 am Canary Wharf, weil da ist im Vorjahr das Rennen explodiert, und diesmal …
4. And Sawe 😍🏃🏿 is going for it! Again!!! Kiplimo fällt zurück!!!!!
Die Tempomacher sind ausgestiegen, und Sabastian Sawe verschärft das Tempo exakt dort, wo er im Vorjahr das Rennen für sich entschied. Kiplimo, der Weltbeste im Halbmarathon, kämpft und kämpft, doch die kleine Lücke ist da.
5. Aber Sawe hat ein Problem, ein großes Problem und das heißt Kejelcha, den er nicht loswird. Kejelcha ist sieben Halbmarathons unter einer Stunde gelaufen, war Weltrekordler bevor Kiplimo kam, und ist auf kürzeren Strecken um nichts schlechter als der Mann aus Uganda.
6. BREAKING! Sawe ist bei Kilometer 35 in 1:39:57, das geht in Richtung … Streckenrekord, vielleicht Weltrekord, und es ist sogar möglich, dass … Das traue ich mich gar nicht auszusprechen.
7. Kejelcha ist unverändert bei Sawe, Kiplimo kämpft noch um den Anschluss. Alles ist heute möglich, wirklich alles!!!
BREAKING!!!!! 🏃🏿🏃🏿🎉🎉🎉 Ich spreche es aus! Sawe und Kejelcha laufen um den London-Sieg, der Streckenrekord ist gesichert, es geht um den fast sicheren Weltrekord, und um eine Zielzeit von unter zwei Stunden!!!
8. 40 Kilometer in 1:53:39, Kiplimo ist weg, und Sawe attackiert nochmals … nun kann auch Kejelcha das Tempo nicht mehr halten.
9. BREAKING! 1:59:30!!! WELTREKORD!!!!! SABASTIAN SAWE 🏃🏿😍🎉
10. Das Endergebnis 1. Sawe 1:59:30 2. Kejelcha 1:59:41(!) 3. Kiplimo 2:00:28
Zahlen zur Einordnung
Sabastian Sawe lief 42mal einen Kilometer in knapp unter 2 Minuten 50 Sekunden. Wie oft schaffen Sie das? Die ehrliche Antwort für Läufer ist: In 99,9 Prozent der Fälle gar nicht. Kein einziges Mal. Sawes Schlusskilometer war übrigens unter 2:40 Minuten.
Die letzten zehn Kilometer Sawes waren 27:20 Minuten schnell. Mit dieser Zeit am Ende(!) seines Marathons würde er in einem 10.000 Meter-Lauf auf der Bahn aktuell jeden Österreicher überrunden.
Ach ja, und es war ein „negative split“. Der zweite Halbmarathon wurde von Sawe in 59:01 Minuten gelaufen. Das war zu diesem Zeitpunkt nahezu ein Platz unter den Top10 aller Halbmarathonläufer 2026. Der Österreicher Aaron Gruen hat kurz vorher mit knapp über 61 Minuten einen nationalen Rekord aufgestellt. Aber die alle sind nicht schon vorher 21,1 Kilometer im Volltempo unterwegs gewesen.
Sawe lief auch 422mal 100 Meter in rund 17 Sekunden. Wem gelingt das einmal, zweimal oder dreimal? Oder auch gar nicht?
Schlussgedanken
Die Pointe ist, dass die Marathonstecke in London nicht einmal ultraschnell ist. Da ist bekanntlich eine Brücke namens Tower Bridge, und es gibt ein leicht welliges Gelände, wo es ab und zu leicht bergauf geht wie eben auf besagte Brücke. Genauso war die Temperatur mit sonnigen über 18 Grad im Grunde zu warm, Rückenwind gab es detto nicht. Wer weiß, was in den Herbstmarathons passiert.
Kejelcha ist natürlich eine Art tragischer Held, auch wenn mit 28 Jahren sein erster Marathon noch nicht der Lauf seines Lebens gewesen sein muss. Doch die historische Grenze von zwei Stunden kann nur einmal unterboten werden, egal was Kejelcha noch läuft. Sein zweiter Platz ist wie zweiter Mann auf dem Mond zu sein. Wie heißt der Typ eigentlich? Neill Armstrong kennt jeder, Buzz Aldrin ist fast vergessen. Genauso steht in den Geschichtsbüchern nur einer für die Ewigkeit: Sabastian Sawe.
Ein bisschen Eitelkeit zum Schluss, das muss sein. Ich habe vor ein paar Jahren gesagt, dass man Sabastian Sawe im Auge haben muss, wenn dieser auf die Marathondistanz wechselt. Er war nicht der allerschnellste Läufer im Halbmarathon, verbesserte sich aber kontinuierlich. Vor allem jedoch lief er stets das, was er kann und immer nach Plan. So gewann er ständig und schlug Kiplimo und alle Anderen. Wie auch in London.
Ach ja, und ich lege meinen Status als legendärer Fehltipper zurück. Also beim Laufen. Weil „I hobs ja glei gsagt!“ Sawe, Kejelcha und Kiplimo, das war exakt meine Dreierwette.
In Memoriam Kelvin Kiptum
Ein Nachsatz, der mir sehr wichtig ist: Dieser Text ist in Erinnerung an Kelvin Kiptum, er ruhe in Frieden. Kiptum war bis zum 26. April 2026 Weltrekordler im Marathonlauf. Er wurde das 2023 in Chicago, Bevor er im Alter von nur 24 Jahren bei einem Verkehrsunfall starb.
Kiptums Gemeinsamkeit mit Sabastian Sawe war, dass er seinen ersten Marathon gewann – und bei drei Starts nie verloren hat. Er war stets Erster. Kelvin, du hättest am Sonntag in London um den Sieg mitlaufen sollen, wie immer es ausgegangen wäre.