Ich war live dabei: Der London-Marathon der Frauen

Ich war live dabei: Der London-Marathon der Frauen

„Ladies first“. Auch mein Live-Ticker zum London-Marathon begann mit den – in der englischen Hauptstadt eine halbe Stunde früher startenden, weil ein reines Frauenrennen – Elitefrauen.

Ein irrer Beginn

Von Anfang an war die die Frauenspitze auf dem Weg zum Weltrekord in reinen Frauenrennen. Nämlich ohne männliche Tempomacher, welche natürlich auch den Rennverlauf verfälschen. Etwa weil niemand sich fürchten muss, bei einem hohen Anfangstempo mutterseelenallein im Wind zu verhungern.

Aber was die Äthiopierin Tigst Assefa sowie die Kenianerinnen Hellen Obiri und Jocelyn Jepkosgei machten, das war irre und konnte an sich kaum gutgehen. 31:03 Minuten auf den ersten 10 Kilometern hätten zu einer Endzeit von nur knapp über 2:10 Stunden geführt. Nicht einmal der leidige Weltrekord von Chepngetich mit Männern und mutmaßlich sehr viel Doping wäre außer Reichweite gewesen.

Anfangs gab es wagemutige Mitläuferinnen, doch nach 20 Kilometern waren es sowieso nur noch Assefa, Obiri, Jepkosgei – i hobs jo glei gsagt, weil exakt das war meine Dreierwette – und 1:02:41 Stunden! Schottlands Stolz Eilish McColgan fiel da nur noch durch ihre Haarpracht auf, um kam letztlich nach guten 2:24 Stunden ins Ziel.

Vorne freilich ging die Post ab. Den Halbmarathon absolvierten Assefa & Co in 1:06:12 als Durchgangszeit. Das hätte hochgerechnet immer noch eine Zeit von 2:12 Stunden ergeben.

Weltrekord oder Sieg?

Irgendwann kehrte anders als bei den Männern ein bisschen Normalität ein. Bei Kilometer 30 waren 1:35:21 Stunden gelaufen, und somit ergab sich „2:15“ als Endzeit hochgerechnet. Für Assefa, Obiri und Jepkosgei, die bis zum Schlusskilometer beisammenbleiben sollten, ging es neben der Weltrekordzeit vor allem um den um den Sieg, wobei taktische Geplänkel den Rekord verunmöglicht hätten.

Es gibt im Laufen eine Grundregel: Auf dem Schlusskilometer will man nicht mit Hellen Obiri in einem Sprintfinish sein. Denn die kann auch nach 42 Kilometern kicken. Also schnell antreten. Doch für Tigst Assefa ist das egal. Die wiederum ist eine ehemalige 800 Meter-Läuferin, und fürchtet im Marathonsprint nur Gott und Sifan Hassan, welche ihr den Olympiasieg weggeschnappt hatte.

Doch die Niederländerin war nicht am Start, und das ist eine andere Geschichte. Also verschärfte Assefa rund 800 Meter vor dem Ziel das Tempo und … WELTREKORD! Tigst Assefa gewann den Marathon in London in 2:15:41 Stunden.

PS. Bei allem Respekt war das jedoch für mich nicht das Hauptereignis des Tages. Wegen Sabastian Sawe? Auch. Vor allem jedoch lief Carola Bendl 2:59:17 Stunden. Doch bei ihr bin ich ja sehr befangen.