Welche Streckenlängen man läuft. Sie und Er
Carola
- Sprint ist einfach unglaublich. Bei meinem Jedermann-Zehnkampf wurde ich da von Leuten abgehängt, die im Langstreckenlauf weit hinter mir her hecheln würden. Es ist bewundernswert, sich mit solcher Kraft und Geschwindigkeit zu bewegen.
- Bahnrennen sind für das Publikum am spannendsten. Die Taktik spielt eine viel größere Rolle als auf der Straße. Die Mittelstrecke über 800 oder 1.500 Meter selbst zu probieren, das ist eine gute Abwechslung. Bei Leichtathletikmeetings ein paar Minuten an der Grenze des Schaffbaren zu rennen, ist eine tolle Herausforderung!
- 10 Kilometer sind als Laufstrecke reizvoll, weil das alle fitten Menschen schaffen. Zur harten Herausforderung wird das, wenn es um die Zeit und somit das Tempo geht. Ich bin keinen 10 Kilometer-Lauf gelaufen, der nicht nach sieben Kilometern zur furchtbaren Qual wurde.
- Der Halbmarathon ist für Profis ein Lauf an der anaeroben Schwelle des Dauerkeuchens und für die Masse DIE lange Distanz, weil der Marathon (noch?) zu lang ist. Was mich stört ist die Darstellung der Halbmarathondistanz als übermenschliche Leistung. Ohne Heldentum. Wahre Helden sind Ultraläufer*innen nach 100 Kilometern oder 24 Stunden.
- Marathon ist DER besondere Wettbewerb, bei dem schon das Finishen ganz außergewöhnlich ist. 42,195 Kilometer sind trotzdem so kurz, dass sie schnell gelaufen werden können: Die perfekte Symbiose aus körperlicher und mentaler Herausforderung. Ich bin aber befangen, weil ich auf dieser Distanz am erfolgreichsten war 😉
Peter
- Sprinten ist für muskelbepackte Kerle, die den Kick suchen. Mit Laufen im alltagssprachlichen Sinn hat es nichts zu tun. Im Vollsprint schnell zu sein, das ist außerdem zu 80 Prozent Talent. Das frustrierte mich stets, weil ich kein solches habe.
- Wer will sich extra umziehen, um 100 Meter zu hecheln? Oder gar eigens irgendwo hinfahren, um auf einer Stadionrunde als härteste Distanz den Mageninhalt zum Vorschein zu bringen? Auch 800 Meter und 1.500-Meter werden auf der Bahn gerannt, sind also für Pseudo-Profis.
- Bei Straßenläufen über fünf oder zehn Kilometer kann man sich als Durchschnittstalent durch harte Arbeit vulgo Training am meisten verbessern. Zugleich ist das Drumherum solcher Volksläufe ein tolles Erlebnis. Nur allzu engagierte Möchtegerne wie ich quälen sich da über eine halbe Stunde lang an der Grenze der Sauerstoffschuld. Was brutal ist.
- So gesehen war der Halbmarathon meine Lieblingsstrecke, und ist die perfekte Distanz für alle. Weil auch machbar, ohne für das Trainieren den Lebensalltag umzustellen. Detto gibt es viele Läufe in der halbwegs näheren Umgebung, um jedes Jahr Bestzeiten zu schaffen.
- Der Marathon ist ein anderes Biest. Gesünder sind sowieso die kürzeren Strecken. Der Vorbereitung müssen Familie und Freizeit untergeordnet werden. In der Theorie sind die ersten zwei Drittel nicht anstrengend und das Glücksgefühl am Ende einmalig. Die Praxis ist dumm gelaufen, wenn jemand wie der kleine Peter bei Hitze eine Spitzenzeit erreichen will 😉
Carola war 2024 österreichische Staatsmeisterin im Marathon, und hat eine Bestzeit von 2:46 Stunden, weil sie Training und Wettkämpfe vernünftig plant.
Peter war Hobbyläufer mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 1:12 Stunden, und ist mangels Trainings- und Rennintelligenz im Marathon kläglich gescheitert.